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Das Vollversagen muss ein Ende haben
23. August 2017

Das Vollversagen muss ein Ende haben

Die Mietpreisbremse ist ein Musterwerk der Symbolpolitik. Trotz aller Warnungen aus der Branche wollte die Bundesregierung sie unbedingt durchsetzen. Kurz vor der Wahl kommt die Einsicht von oberster Stelle. Hoffentlich war dies nicht die letzte Einsicht – denn die Wohnungs- und Immobilienpolitik der vergangenen Jahre ist ein einziges Debakel.


Tacheles von Michael Herrmann, Chefredakteur von ImmoCompact

Nach zwei Jahren der völligen Wirkungslosigkeit hat nun auch die Bundeskanzlerin erkannt, dass sich Mietpreise nicht einfach per Gesetz bremsen lassen. Solange kein ausreichendes Angebot vorhanden ist, werden Vermieter immer Mittel und Wege suchen und finden, um höhere Mieten zu verlangen. Dass dies nun auch von höchster Stelle eingesehen wird, ist nicht nur richtig, sondern höchste Zeit.

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Statt den Bau günstiger Wohnen zu fördern, hat man alle Hoffnung darin gesetzt, dass die Mietpreisbremse die Preisentwicklung in den Metropolen schon eindämmen wird. Die bösen Immobilienhaie müssten schließlich nur richtig an die Kandare genommen werden. Diese Meinung mag zwar in der breiten Öffentlichkeit ankommen. In der Realität ist sie aber krachend gescheitert.

Wie alle anderen Märkte können auch die Immobilienmärkte nicht einfach an Angebot und Nachfrage vorbei operieren, nur weil die Politik das so möchte. Wenn man die Situation verändern will, muss man entweder das Angebot erhöhen oder die Nachfrage verringern. Da Letzteres bei Wohnungsmärkten hinfällig ist, bleibt nur die Schaffung von Wohnraum übrig. Aus diesem hat sich der Staat aber über Jahre hinweg immer stärker zurückgezogen.

Vor allem aber wurden die Auflagen zu energetischen Standards, Barrierefreiheit & Co. in steter Regelmäßigkeit erhöht – und damit die Kosten für den Wohnungsbau in die Höhe getrieben. Wo soll das denn ankommen, wenn nicht bei den Mieten? Zumal die Alternative Eigenheim durch ebenfalls stetig erhöhte Grunderwerbssteuern und anhaltend hohe Nebenkosten für Notar, Grundbuch usw. erschwert wird.

Statt die Kosten für den Wohnungskauf und -bau zu senken, wird die Schuld lieber den Maklern in die Schuhe geschoben und ein Bestellerprinzip für den Verkauf in den Raum gestellt. Bei den wichtigen und richtigen Berufszulassungsregeln für Makler hat man dagegen völlig unverständlicherweise einen Rückzieher hingelegt. Dabei ist professioneller Rat beim einem so großen Geschäft wie den eigenen vier Wänden das A und O und sollte daher mehr erfordern als zwei Wochen warten auf einen Gewerbeschein.

Die Liste der Verfehlungen in der Wohnungspolitik der vergangenen Jahre könnte man noch schier ewig fortführen. Doch die Vergangenheit lässt sich ohnehin nicht ändern. Nach der Wahl gilt es, die Aufgaben endlich richtig anzugehen. Eine bessere Wohnungspolitik braucht dabei eigentlich nicht viel. Reduzierte Auflagen für Bau und Sanierung, mehr Flächen für den Wohnungsneubau, Abschaffung der Grunderwerbssteuer für Eigenheime – allein mit diesen drei Maßnahmen wäre schon viel erreicht. Wenn dann auch noch ernst zu nehmende Zulassungsregeln für Makler und Verwalter eingeführt werden, wäre nicht mehr viel zu meckern. Mal sehen, was davon in vier Jahren passiert sein wird.


<h5>Michael Herrmann</h5>
Michael Herrmann


Kommentare

von Frank Altenpohl am 24.08.2017 um 09:31 Uhr
"Solange kein ausreichendes Angebot vorhanden ist, werden Vermieter immer Mittel und Wege suchen und finden, um höhere Mieten zu verlangen."

Das ist nicht ganz richtig so. Vielmehr sind haufenweise Mieter unterwegs, die höhere Mieten anbieten. Die Vermieter sehen sich dadurch in der Lage, mehr Miete zu bekommen, aber auch einen legalen Weg dafür zu finden. Das, was die Mieter nun durch das idiotische sog. Bestellerprinzip sparen, geben sie gerne für höhere Mieten aus. Auch deshalb, weil das Angebot an Wohnungen durchs Bestellerprinzip gesunken ist. Wir, als Verwaltung, geben die Wohnungen auch nicht mehr an den Markt. Es geht auch anders.

von Jan Lanc am 24.08.2017 um 10:43 Uhr
Die Politik will immer wieder Dinge durchsetzten um bestimmten Wählergruppen zu gefallen und blendet häufig dabei aus das es Quatsch ist.

von Thomas Seibold am 24.08.2017 um 16:27 Uhr
Endlich mal wirklich Tacheles!
Bravo für diesen Artikel der es auf den Punkt bringt. Es wird Zeit, dass auch unsere Branche, wie so Viele, eine ordentliche Lobbyarbeit in Berlin abliefert. Wir kümmern uns um das Grundbedürfnis Wohnen, werden aber nicht ernst genommen. Wenn die Politik meint Grundprinzipien der Volkswirtschaft ignorieren zu können, dann kommt es eben zu solchen Schieflagen. Dann aber zu versuchen die Branche dafür abzustrafen ist nicht nur billig sondern ausgesprochen dumm. Die Wahrheit kommt sowieso ans Licht.

Wir stellen fest, dass suchende Mieter seit der Einführung des Bestellerprinzips teilweise frechen und unhöflichen Umgang mit uns als Hausverwalter und klassischen Makler pflegen. Wir möchten mit solchen Menschen aber keine Geschäfte machen. Ergo: Wir halten uns an unseren Auftraggeber, den Vermieter, und das mit ihm abgeschlossene Vertragsverhältnis. Das deutsche Vertragsrecht unterstützt uns dabei eindeutig. Der Mieter ist der Verlierer.

Die Grunderwerbsteuer war in diesem Lande ja schon einmal für das Eigenheim ausgesetzt. Durch die Einführung und Senkung einheitlich auf alle Grundstücksgeschäfte auf 3,5% hatten die Länder damals schon eine erhebliche Mehreinnahme. Durch die vom Bund auf die Länder übertragenen teuren Aufgaben müssen diese nun auch die Einnahmenseite nach oben ziehen. Die Auflagen für einen Neubau sind so erheblich geworden, dass die Baukosten gewaltig in die Höhe gehen. Gewinner: Die Hersteller/Industrie und der Staat durch die damit verbundenen Steuern. Verlierer: Der Bürger, auch Mieter. Wer sich heute noch einen Neubau zur Vermietung anschafft, dem gehört das Bundesverdienstkreuz umgehängt, Rendite hat er keine, frühestens seine Enkel.

Die Immobilienwirtschaft ist der einzige Markt der die Vertriebskosten offen legt und wird dafür regelmäßig angefeindet. Wer motzt denn, wenn er bei Sportbekleidung bis zu 500% oder beim KFZ bis zu 20% bezahlt? Keiner, weil er es nicht ausgewiesen bekommt, ist doch alles im Endpreis drin! Wir diskutieren dann teilweise schon 3 % !!! Klar will man die Vertriebskosten in die Preise einarbeiten, erhöht das Steueraufkommen durch ein "Bestellerprinzip". Gewinner: Staatskasse, Verlierer: Der Bürger.

Geldwäschegesetz, Widerrufsbelehrung...... wir machen ja alles mit was Sinn (oder Unsinn) macht. Aber jetzt ist es an der Zeit, dass die Politik mitzieht und endlich hohe Zugangsregeln schafft. Bei Finanzmaklern und Versicherungsmaklern gings ja auch ganz einfach. Dieser Fortbildungsblödsinn ist doch nichts Neues, das macht doch eh jeder vernünftige Unternehmer. Jetzt wird doch damit nur wieder der Zertifizierungswahn weiter ausgebaut. Ich weiß nicht was da so mancher "Entscheider" regelmäßig zu sich nimmt, ich hätte auch gerne was davon.

von Elke Thamm am 29.08.2017 um 10:45 Uhr
Herr Herrmann und Herr Seibold,

Sie sprechen mir aus meiner Berufs-Seele. Besser kann man diese Umstände nicht auf den Punkt bringen.

Was mich persönlich am allermeisten ärgert, ist die Beobachtung, dass die Miet-Interessenten in der Regel neuerdings ein auftrumpfendes oft unhöfliches Verhalten zeigen. Zumindest die, welche meinen - endlich mehr "Gerechtigkeit" für sie als Mieter zu erfahren ,ohne zu bedenken dass die Provision ja irgendwie "eingepflegt" wird.Andererseits wird sehr wohl für sich persönlicher Service gefordert.Die mich beauftragenden Vermieter hingegen würdigen meine Arbeit mehr als früher.Zumindest kommt das so rüber!
Fazit ist : was etwas kostet ist etwas und bei den Mietern eben was nichts kostet...
Man hat keine richtige Lust mehr Miet-Vermittler zu sein!Ich würde mir wünschen,dass Mieter/Vermieter jeweils die Hälfte tragen! Hoffe sehr, dass die Verkaufs-Vermittlung nicht auch noch so gesetzlich geregelt wird.Es verändert meiner Meinung nach die Geschäftsbeziehung zwischen Makler und Kunden.




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