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Elektromobilität scheitert an Mehrfamilienhäusern
05. September 2017

Elektromobilität scheitert an Mehrfamilienhäusern

Im Vorfeld des E-Mobilitätsgipfels im Bundeskanzleramt hat sich der Dachverband Deutscher Immobilienverwalter (DDIV) an Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel gewandt. Es reiche nicht aus, steuerliche Anreize, Kaufprämien und die öffentliche Ladeinfrastruktur zu fördern, wenn die private Ladeinfrastruktur nicht finanziell gefördert wird.


Eine Million Elektroautos bis 2020 auf deutsche Straßen zu bringen, ist immer noch das erklärte Ziel der Bundesregierung. Doch derzeit sind gerade einmal rund 35.000 reine „Stromer” zugelassen, obwohl die Bundesregierung vielfältige Fördermaßnahmen aufgelegt hat. Zu wenig Ladepunkte, zu lange Ladezeiten und zu geringe Reichweiten bremsen aber weiterhin das Kaufinteresse.

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Umsteuern dringend notwendig

„Zeit zum Umsteuern”, findet DDIV-Geschäftsführer Martin Kaßler. „Der Bund sollte endlich die private Ladeinfrastruktur in den Fokus rücken. Allein in privaten Mehrfamilienhäusern gibt es mehr als vier Millionen PKW-Stellplätze. Hier wäre eine zielgenaue Förderung angebracht. Kaum jemand wird ein Elektroauto kaufen, wenn der nächste Ladepunkt 500 Meter von der eigenen Haustür entfernt liegt und im Zweifel gar nicht frei ist. Wartezeiten oder das unbedingte Wegfahren nach erfolgter Ladung vom öffentlichen Ladepunkt schreckt den Verbraucher ab. Der Kunde will sein Auto zu Hause laden wie sein Handy oder Laptop”, so Kaßler.

Achillesferse Ladeinfrastruktur

Die fehlende private Ladeinfrastruktur wird so zur „Achillesferse” der E-Mobil-Wende”, da das Potenzial von Mehrfamilienhäusern nicht im Ansatz ausgeschöpft wird. Der DDIV regte daher im Vorfeld des E-Mobilitätsgipfels im Bundeskanzleramt gegenüber Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, ein Anreizprogramm für die private Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern mit einem Volumen von 100 Mio. Euro an. Daneben ist das Stromnetz zahlreicher Mehrfamilienhäuser oftmals nicht für die dauerhafte Beanspruchung durch mehrere parallele Ladevorgänge ausgelegt, was neben der Komplexität der Beschlussfassung in Wohnungseigentümergemeinschaften private Ladeinfrastruktur verhindert. In einem Positionspapier hat der DDIV dezidiert diese Punkte benannt und zudem darauf verwiesen, dass nach der Bundestagswahl eine umfassende Reform des Wohnungseigentumsgesetzes unumgänglich ist.

Das wird bisher gefördert

Der Bund stellt erhebliche Fördergelder bereit, um die Elektromobilität voranzubringen. So wird der Kauf eines E-Autos seit Juni 2016 mit dem sog. Umweltbonus von bis zu 4.000 Euro gefördert. Bis Ende Juli 2017 lagen allerdings nur rund 26.500 Anträge vor. Hinzu kommt die Befreiung von der Kfz-Steuer und Steuererleichterungen für das Laden am Arbeitsplatz. Gleichzeitig werden bis 2020 insgesamt 300 Mio. Euro in den Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur investiert. (mh)



Kommentare

von Frank Altenpohl am 07.09.2017 um 10:12 Uhr
Statt über eine nicht realisierbare Ladestruktur für deutschlandweit 52 Mio. E-Autos zu diskutieren, sollten zunächst mal die Möglichkeiten austauschbarer Akkus in den Fokus rücken. Mehrere Wechselakkus in DIN-Form und -anschluss würde der Debatte eine entscheidende Wende bringen. Dies zu realisieren wäre auch viel einfacher, als 52 Mio. Steckdosen bei Ladezeiten von mehreren Stunden. Selbst 15 Min. Ladezeit wären zu lang. Ein Austausch der bodenseitig befestigten Akkus in wenigen Minuten an der Tankstelle, von Robotterarmen in der Grube ausgeführt, wäre die Lösung. Die Infrastruktur E-Tankstelle wäre leicht zu erreichen, da ja ausreichend Tankstellen zur Verfügung stehen. Auch würde sich der Strombedarf wesentlich besser verteilen, wenn die leeren Akkus langsam und zu geeigneten Zeiten geladen werden könnten.



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