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Experten warnen vor Ende der rasanten Preisanstiege bei Wohnimmobilien
11. Oktober 2017

Experten warnen vor Ende der rasanten Preisanstiege bei Wohnimmobilien

Die Preisanstiege bei Wohnimmobilien nähern sich nach rund sieben Jahren dem Ende und stagnieren mittelfristig auf einem hohen Niveau. Das ist eines der zentralen Ergebnisse des 4. Expertentalks von Engel & Völkers Investment Consulting (EVIC) zum Thema „Wohnimmobilien – die alternativlose Assetklasse?“ auf der diesjährigen Expo Real.


Auf dem 4. Expertentalk von EVIC zum Thema „Wohnimmobilien – die alternativlose Assetklasse?“ diskutierten insgesamt sieben Vertreter der Immobilienbranche über den Markt der Wohnimmobilien. Neben den Gastgebern Kai Wolfram, Geschäftsführender Gesellschafter der EVIC, und Andreas Ewald, Geschäftsführer der EVIC, nahmen Martin Eberhardt, FRICS und Geschäftsführer von Bouwfonds Investment Management Deutschland, Francesco Fedele, Vorstand der BF.direkt AG, Thomas Meyer, CEO der Wertgrund AG, Thomas Hegel, Vorstandsvorsitzender der LEG Immobilien AG, sowie Arndt Krienen, CEO der Adler Real Estate AG, an dem Expertentalk teil.

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Ausweichen auf andere Wachstumsmöglichkeiten

Aufgrund der hohen Preise im Ankauf weichen viele Investoren auf andere Wachstumsmöglichkeiten wie etwa die Nachverdichtung im Eigenbestand oder den Einstieg in Projektentwicklungen aus. „Die strategische Frage nach der geeigneten Reinvestition im momentanen Marktumfeld beantworte ich mit dem Dreisatz Projektentwicklung, Forward Deals und Value-Add-Ansätze“, erläutert Wertgrund CEO Thomas Meyer. Gerade ersteres biete die Möglichkeit der Renditemaximierung. Das damit verbundene Entwicklungsrisiko lasse sich hingegen durch Streuung gut minimieren. Meyer prognostiziert, dass ein Ende des starken Aufwärtstrends angesichts immer längerer Amortisierungszeiten zunehmend wahrscheinlicher wird. Daher sei es ratsam, voll entwickelte Objekte zu veräußern.

Neue Strategien gefragt

Arndt Krienen von Adler Real Estate hat im Zuge der Akquisitionen des laufenden Jahres den Eindruck gewonnen, dass die Strategie, ausschließlich über den Ankauf von Portfolios zu wachsen, mittlerweile an ihre Grenzen stößt. Am Markt würden schließlich immer weniger Portfolios angeboten. „Und immer häufiger sind die geforderten Preise so hoch, dass sie für uns nicht mehr attraktiv sind“, so Krienen. „In einer derartigen Situation gewinnen Projekte der Entwicklung, der Verdichtung oder des Dachausbaus an Attraktivität. Deshalb denken wir über diese Themen jetzt nach – wenn auch nur als Ergänzung, nicht als Ersatz des bestehenden Geschäftsmodells.“

Erhöhte Wettbewerbsintensität

Auch Francesco Fedele zufolge suchen Investoren zunehmend nach anderen Anlagestrategien. „Neben den etablierten Asset-Klassen wie Wohn- oder Büroimmobilien entdecken immer mehr institutionelle Investoren wie Versicherungen und Versorgungswerke neue Anlagemöglichkeiten wie beispielsweise die Finanzierung von Projektentwicklungen. Daneben treten sie zunehmend auch als alternative Fremdkapitalgeber auf. Das erhöht die ohnehin hohe Wettbewerbsintensität“, so der Vorstand der BF.direkt AG.

Ausweichmethode stößt an Grenzen

Die bislang oft genutzte Ausweichmethode, statt in A-Städte in B-Städte zu investieren, stößt hingegen mittlerweile teilweise an ihre Grenzen. „Bei Bieterprozessen stellen wir vermehrt fest, dass insbesondere in den vergangenen Jahren die Preisdynamik in B-Städten zugenommen hat. Kaufpreisfaktoren von 20 und mehr, wie wir sie bislang zumeist nur von den Metropolen kannten, sind heute auch an diesen Standorten keine Seltenheit mehr“, erläutert Thomas Hegel. Das Ende der Fahnenstange sei bei dieser Entwicklung bisher nicht zu erkennen.

Nachfrage bleibt hoch

Bisher werden Wohnimmobilien trotz der anhaltenden Hochpreisphase aber stark nachgefragt. „Deutschland, Wohnen, stabiler Cashflow: Auf diesen Dreiklang voller Sicherheit möchte derzeit kaum ein institutioneller Investor verzichten. Gerade aktuell mit den europäischen `Krisengebieten‘ Großbritannien oder Katalonien schätzen Anleger die wirtschaftliche und politische Stabilität in Deutschland“, erläutert Martin Eberhardt von Bouwfonds.

Appell an die Politik

Kai Wolfram fordert die politisch Verantwortlichen vor diesem Hintergrund zu einem behutsamen Handeln auf: „Die künftige Bundesregierung muss weiterhin für ein verlässliches Investitionsklima sorgen.“ Dazu gehöre auch, Maßnahmen wie die Mietpreisbremse auf den Prüfstand zu stellen. „Der Immobilienmarkt in Deutschland gilt weltweit als sicherer Hafen für Investments. Dies ist der Reputation Deutschlands als gut organisierter und strukturierter Staat sowie seiner nachhaltigen und verlässlichen Wirtschaftskraft geschuldet“, ergänzt EVIC-Geschäftsführer Andreas Ewald. „Eine Minderheitsregierung oder gar Neuwahlen würden dem Ansehen Deutschlands schaden. Deshalb ist es wünschenswert, bald eine stabile Regierungskoalition zu haben.“ (mh)





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